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Musikvideo drehen als Marketingkonzept

Bei manchen Nachwuchsbands denkt man sich, warum die nicht endlich den Durchbruch schaffen. Sound stimmt, das Auftreten ist stylisch und regional haben sie bereits ihre festen Anhänger. Aber darüber hinaus will sich der Erfolg einfach nicht einstellen.

So mancher Newcomer hat nach einigen erfolgreichen Regionalauftritten dann auch aufgegeben.

In vielen Fällen ist das fehlende Budget schuld, dass es nicht weitergeht. Das Musikerdasein soll sich ja irgendwann rentieren und nicht nur Geldfresser sein.

Das Geheimnis ist, dass heute ohne enormem Einsatz – teils zeitlich, überwiegend aber auch finanziell – kaum ein Hochkommen möglich ist. Wie man die finanzielle Lücke schließt, steht auf einem anderen Blatt. Ein Teil davon ist die Präsentation der eigenen Band in Ton aber auch in Bild.

Dieses Vorhaben realisierte ich als Produktionsleiter mit der Oberpfälzer Band CRUIZZEN im August 2008. Das Ziel war ein Musikvideo, das den Stil der Band widerspiegelt und das Potential der Gruppe zeigt. Als Ergebnis halten die Jungs nun ein Roadmovie-Musikvideo in der Hand, das zum Gesamtmarketing einen entscheidenden Beitrag leistet.

So ein Werk kann Türen öffnen, wenn der Inhalt stimmt und das Image der Band eingehalten wird. Von Schnellschüssen sollte man in diesem Fall absehen. Am Beispiel des Musikvideos „Crazy Dayzz“ soll die Stärke von Narrativem Marketing und dessen Nutzung für weitere Marketingaspekte vorgestellt werden.

Folgende Maßnahmen und Ziele sind im Rahmen eines Marketingkonzeptes für Newcomer zu bedienen:

  • Internetplattformen
  • Veranstalter kontaktieren
  • Presse (vor Dreh, sowie nach Veröffentlichung)
  • Subkulturen erreichen
  • Imagepflege

Gehen wir diese Punkte Schritt für Schritt durch, um die Wirkung des Musikvideos für diese Kategorien zu sehen.

Musikvideo auf Internetplattformen

Musikvideos lassen sich inzwischen kostenlos auf vielen Plattformen präsentieren. Die bekannten Plattformen ohne thematische Beschränkungen sind die naheliegendsten. Aber auch auf Musikvideos spezialisierte Plattformen gibt es bereits.

Das Ziel ist in diesem Fall, in der Szene aktiv zu sein. Auch die Bands untereinander sollten sich kennen. Es werden sich so von ganz alleine Freundschaften entwickeln und schon kann man sich gegenseitig auch mal Auftritte verschaffen.

Nicht zuletzt sind auf solchen Plattformen – vorausgesetzt der Inhalt ist überwiegend hochwertig – auch Headhunter unterwegs. (Es wimmelt nicht davon, aber sie sind unterwegs.)

Die Musik-Fans sollte man dann am wenigsten vergessen: Sie können das Zünglein an der Waage sein. Wer seinen Lieblingssound gefunden hat, dem ist der Bekanntheitsgrad der Band erstmal unwichtig. Diese Leute bleiben am Ball und verfolgen regelmäßige News.

Diese Kontakte sollte man pflegen, indem man auch eine Homepage – und sei es auf MySpace – aktiv betreibt und Neuigkeiten verstreut. Falls mal nicht so viel passiert, reichen auch mal neue Fotos oder veröffentlicht dort doch einfach Soundschnipsel eines neuen Songs, den ihr mitgeschnitten habt. – Sollte nicht euer Schaden sein!

Internetplattformen mit dem eigenen Musikvideo zu füttern kann für Musikgruppen wichtigen Traffic bedeuten. Ist der Inhalt nicht Standard, sondern besser als Videos von vergleichbaren Gruppen, kommen Verlinkungen von alleine. Gerade Erzählinhalte im Gegensatz zu reinen Band-plays-on-one-Location-Lösungen sind dafür sehr gut geeignet.

Musikvideo für Veranstalter

Ein Veranstalter muss sich überlegen, mit welchen Bands sein Vorhaben erfolgreich wird. Zur Abschätzung benötigt er gutes Material, das die Musikgruppe in bester Manier zeigt. Live-Aufnahmen taugen natürlich genauso wie ein Musikvideo – nur sollte die Qualität der Aufzeichnung nicht an Handymitschnitte erinnern.

Als Komplettierung einer Bewerbungsmappe an einen Veranstalter kann ein Musikvideo – auch mit Live-Ausschnitten – sehr gut das Image der Band transportieren. Mit heutiger Technik ist es ein leichtes, eine DVD mit den Videos und zusätzlich als Alternative einen Link zu einer Online-Version anzugeben.

Falls der Veranstalter sich tatsächlich für die Gruppe entscheidet, kann das Musikvideo für den Veranstalter selbst als Teil seiner eigenen Werbung für die Veranstaltung dienen. Das geht dann Hand in Hand und langsam zahlt sich der Aufwand der Musikvideo-Produktion aus.

Musikvideoproduktion in der Presse

Gute PR muss nicht schweineteuer sein. Größere Drehs vor allem außerhalb von Medienregionen sind durchaus ein Thema für die lokalen Tageszeitungen. Die Zielgruppe beschränkt sich in diesem Fall zwar nur auf die Bewohner der unmittelbaren Region. Dies ist aber ebenfalls ein wichtiger Teilbereich im Gesamtkonzept.

Bereits in der Vorproduktionsphase sollte der Kontakt zu den zuständigen Journalisten gepflegt werden. Anstehende Drehtermine, die für eine Berichterstattung mit Fotos geeignet sind, lassen sich dadurch frühzeitig abstimmen. Im Optimalfall ist am Tag des Drehs auch jemand eigens für die Kommunikation mit dem Journalisten anwesend. Das eigentliche Drehteam wird sich selten ausreichend für die Versorgung mit Hintergrundinfos und Ablaufplänen kümmern können.

An dieser Stelle sei ebenfalls erwähnt, dass es bei Erzählinhalten für die Presse mehr zu berichten gibt: Eine Geschichte in Kurzform zu erzählen dauert länger als zu beschreiben, dass das Video die Band inmitten einer Blumenwiese zeigt. Und längere Berichte heißen auch mehr Aufmerksamkeit, weil sie besser ins Auge stechen.

Nach Abschluss der Produktion und kurz vor Veröffentlichung kann ein kleiner Rückblick mit Bekanntgabe eines Premieretermins ein weiterer Anlass für einen zweiten Artikel sein.

PR ist wichtig und zielt in Falle eines Musikvideodrehs für Newcomer-Bands meist auf die nähere Region. Diese Zielgruppe ist nicht zu unterschätzen, da vor allem die lokalen Veranstalter aufmerksame Leser des Kulturteils einer Lokalzeitung sind.

Die Erzählinhalte sind oft auch Grund für Mund-zu-Mund-Werbung. Im Falle von „Crazy Dayzz“ habe ich öfter schon Aussagen in der Art gehört: „Ach, das ist doch das Video, in dem er das falsche Auto volltankt.“ – Genau so muss es sein.

Musikvideos für Subkulturen

Einerseits sind mit Subkulturen hier die Anhänger der spezifischen Musikrichtung einer Band gemeint. Jedoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass in einem Musikvideo oft weitere Subkulturen thematisiert werden.

Kommen Motorräder vor – wie etwa bei „Crazy Dayzz“ -, sind Motorradclubs möglicherweise durchaus interessiert an dem Material. Spielt das Hauptthema auf einer Go-Cart-Bahn, sollte klar sein, dass das Video bei Go-Cart-Fahrern von Interesse sein kann.

Natürlich reicht es nicht, wenn eine Harley für 4 Sekunden einmal durch das Bild fährt. Es sollte sich um einen zentralen Aspekt drehen, der für die Anhänger des Themas möglichst interessant sein sollte. Eine Go-Cart-Fahrt mit spektakulären Manövern, oder eine Go-Cart-Fahrt, die aus der Cartbahn ausbricht und in der Stadt weitergeht, sind Beispiele dafür.

Wenn man nun in der Planung des Drehs die anzusprechenden Subkulturen bereits so definiert, dass diese auch Teile der Band-Zielgruppe sind, hat man den Grundstein für einen weiteren guten Marketing-Abschnitt gelegt.

Sucht dann einfach nach Plattformen, Foren und Web-2.0-Communities, in denen die Subkultur aktiv ist und der Weg ist der richtige. Für letzteren Weg gilt: Nicht spammen, sondern mitwirken! Im Optimalfall wart ihr auf den Plattformen bereits vorher aktiv und seid es nachher immer noch.

Musikvideos zur Imagepflege

Das ist ein abstrakter Begriff. Er meint in diesem Fall, dass das Image der Band in einem Musikvideo sehr gut kontrollierbar ist. Die Gestaltung des Inhalts, das Auftreten der Bandmitglieder – all das ist mit professioneller Unterstützung in der Drehbuchgestaltung anpassbar auf das gewünschte zu kommunizierende Image der Musikgruppe.

Jede Band betont bei Live-Auftritten auf der Bühne bestimmte Charakterzüge – ob bewusst oder nicht, ist unerheblich. Jedoch lässt sich vor allem im erzählerischen Umfeld die Steuerung der Charakterzüge gut kontrollieren. Dies liegt an der Verpackung in Geschichten, die das Verhalten von Personen sehr gut in Abläufen zeigen kann.

Und dies ist gerade die Definition von Narrativem Marketing: Das Vermitteln von Stärken und Alleinstellungsmerkmalen zur Präsentation eines Produktes auf dem Markt durch Geschichten.

Musikvideos und Narratives Marketing – Zusammenfassung

Musikvideos können auch ohne große Geschichten und aufwendig erarbeitete Dramaturgie erfolgreich sein. Mit durchdachter in Szene gesetzter Performance lässt sich auch ein Musikvideo im Bandprobenraum effektiv umsetzen.

Doch das Abheben im Rauschen des Newcomer-Marktes im Internet wird mit interessanten und auf die Band abgestimmten Geschichten leichter. Narratives Marketing bietet viele Vorteile:

  • Bleibt im Gedächtnis
  • Macht das Produkt (hier Musikvideo) einzigartiger
  • Sorgt für Kommunikation der Nutzer / Betrachter

Der Nachteil ist:

  • Mehr Aufwand bei der Produktion (Storyentwicklung)

Muss man halt abwägen.

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Eingeordnet unter Narratives Marketing