Link-Aufrüstung zum Sturm auf Google

Was muss ich machen, wenn ich bei Google nach ganz oben kommen möchte? – Links sammeln. Dazu noch ein bisschen auf die Google-Anhaltspunkte für vertrauenswürdige Seiten achten und die eigene Seite mit den Schlüsselbegriffen gekonnt an den richtigen Stellen versehen. Aber ganz wichtig sind wirklich die Links.

Wie bekomme ich Links? – Zu dieser Frage gibt es zahlreiche Ergüsse, wie z.B. Backlinks für Firmen, 13 Tipps und Tricks zum Linkaufbau oder sogar 10.000 Links in 100 Tagen.

Die Wichtigkeit von Verlinkungen (Englischer Blog-Eintrag von SEOmoz.org) wird auch von seriösen Suchmaschinenoptimierern gepredigt. Klar, es stimmt ja auch: Google fördert Seiten mit vielen eingehenden Links von hochwertigen Seiten. (Hochwertig heißt hier, dass sie bei Google ebenfalls schon gut positioniert sind.)

Folgen exzessiven Linkaufbaus

Der aktuelle Stand ist also, dass eingehende Links gut für die Positionierung bei Google sind – je mehr desto besser. Was ist daran nun so schlimm?

Die naheliegende Folgerung, dass bei steigender Anzahl von eingehenden Links auch der Inhalt der verlinkten Webseite gut sein muss, ist nur zum Teil richtig. Diese Annahme wird falsch, wenn viele Seitenbetreiber Links tauschen, Links kaufen, ihre Seite massenweise in Webkataloge eintragen und so weiter.

Man könnte dieses Problem auf die Spitze treiben und sagen, dass derjenige gut bei Google positioniert ist, der am meisten Zeit in das Verteilen seiner eigenen Links auf fremden Seiten aufbringen kann. (Ich tue hier bestimmt vielen seriösen Suchmaschinenoptimierungs-Experten Unrecht – die sollen sich dann halt nicht angesprochen fühlen.)

Damit ist die Wichtigkeit der Backlinkanzahl für die Suchmaschinen-Positionierung ab dem Zeitpunkt negativ, wenn viele Menschen Inhalte nur noch mit dem Ziel möglichst vieler eingehender Backlinks erstellen. Wenn man dann noch hört, dass inzwischen sogenannte Satellitenseiten aufgebaut werden, von denen die Betreiber auf die eigenen Seiten verlinken und von dort wieder auf eine andere Seite, die sie ebenfalls betreiben – und das alles nur, um bei Google besser dazustehen -, dann muss man am Sinn dieser Link-Aufrüstung zumindest zweifeln dürfen.

Linkaufbau kann man aber nicht als Spam bezeichnen

Wenn ich den Zweifel am Sinn der Wichtigkeit von Backlinks für die Qualität der Webseite weitertreibe, komme ich schnell zum Gedanken Spam. Für mich sind Eintragungen in Webverzeichnisse mit dem Ziel die Google-Position zu verbessern leichte Formen von Spam. Ich mülle damit das Internet mit nutzlosen Daten zu, die selten jemand durchforstet – außer die Suchmaschinenroboter.

Telefonanrufe oder Emails mit der Bitte einen Link auf die eigene Seite gesetzt zu bekommen, weil man doch so einen schönen Artikel geschrieben hat, sehe ich auch nicht viel positiver. Wir rasen in eine Internet-Spamwelt. Das ist meine These.

Natürliche Links vs. unnatürliche Links

Doch die Suchmaschinen-Betreiber kennen dieses Problem natürlich und beschäftigen sich damit. Matt Cutts, ein Google-Mitarbeiter mit eigenem Blog und zufällig auch noch Webspam-Beauftragter bei Google, hat in den vergangenen Tagen einen englischen Blog-Artikel veröffentlicht, in dem er u.a. auch sogenannte „Natural Links“ (natürliche Links) anspricht. Natürliche Links sind im Gegensatz zu unnatürlichen Links jene Verlinkungen – und das ist nun meine eigene Interpretation -, die auf nicht erzwungene Weise entstanden sind.

Erzwungen wären Links meiner Ansicht nach, wenn man als Autor einer Internetseite seine Links in der Weite des Netzes streut, mit dem primären Ziel seine Seite bei Suchmaschinen weiter nach oben zu hieven. Das wiederum trifft aber auf jede Linksetzung im Rahmen einer Suchmaschinenoptimierung zu.

Meine Folgerung dabei ist: Nur Verlinkungen, die von Menschen ohne Bezug zur verlinkten Seite gesetzt wurden, sind als natürlich zu bezeichnen. Und diese natürlichen Verlinkungen sollten alleinig in die Berechnung des Linkwertes einer Seite eingehen. (Und mit allen anderen von den Suchmaschinen zur Positionbestimmung in der Ergebnisliste herangezogenen Bewertungsformen zur Beurteilung der Gesamtqualität beitragen.)

Die Lösung: Bewertung von Menschenhand oder semantische Analyse?

Das Dilemma ist das folgende: Die Anzahl von eingehenden echten natürlichen Links wäre eine wirksame Form, die als Beitrag zur Beurteilung der Inhaltsqualität von Internetseiten dienen könnte. Aber wer oder was definiert die Links als natürlich oder unnatürlich?

Die aktuellen Verfahren zur Bestimmung Position in Suchmaschinen sind allesamt maschinell – bis auf einige wenig genutzte Ausnahmen. Eine reine Bewertung von Menschenhand scheint auf Grund der Anzahl der weltweiten Seiten und immer neu entstehenden Seiten unmöglich. (Immerhin müsste dann auch der Bewerter wieder auf seine Neutralität bewertet werden und damit würde sich das System ad absurdum führen.)

Die einzige Zielsetzung, die mir sinnvoll erscheint, ist ein intelligenter Algorithmus, der nicht die Links in gut und böse einteilt, sondern den Inhalt selbst bewertet.

Benutzerverhalten als Indikator für Qualität

Dies klingt nach komplexen bisher unerreichbaren semantischen Methoden zur Inhaltseinschätzung. Vielleicht liegt die Wahrheit dazu in Verfahren wie Data Mining in Datenbanken mit Daten über Benutzerverhalten. Google selbst kann eventuell bereits damit angefangen haben, die Suchenden zu „beobachten“, welche Seiten sie bei einer Suchanfrage in der Ergebnisliste anklicken. Oder ob sie bald wieder zurück auf der Suchseite sind, um eine alternative Seite in der selben Ergebnisliste zu klicken. (Das würde bedeuten, er hat auf der ersten Seite das Gewünschte nicht gefunden, worauf diese Seite zu dem jeweiligen aktuellen Suchbegriff als etwas negativer bewertet wird und nächstes Mal vielleicht nicht mehr soweit oben auftaucht.)

Selbst wenn die großen Suchmaschinen aber bereits solche Aspekte in die Positionsbestimmung einbeziehen, ist meiner Ansicht nach der Einfluss von Verlinkungen noch viel zu groß. Dass ein zentraler Erfolgsfaktor von Google von Beginn an die Einbeziehung von Verlinkungen in die Berechnung der Suchmaschinenposition war, ist klar. Nur sollte in einer Zeit von Linkkauf, Satellitenseiten und Massenspam in Web 2.0-Portalen viel schneller von dieser Methode abgerückt werden.

Die Zukunft wird die neuen Methoden hoffentlich bald offenlegen und Massenverlinkungen damit unwirksam und unnötig machen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Suchmaschinen

Eine Antwort zu “Link-Aufrüstung zum Sturm auf Google

  1. Sehr gute Analyse der bereits schwierigen aktuellen Situation und interessante Vision 🙂

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