Iran und Twitter – Revolution in der Informationsgesellschaft

In diesen Stunden stehen nach Medienberichten Millionen von Iranerinnen und Iranern auf den Straßen, um gegen eine Wahl zu protestieren, deren ursprünglich verkündetem Ergebnis sie misstrauen. Entgegen früheren Zeiten bestehen diese „Medienberichte“ allerdings nicht aus althergebrachten Bewegtbildern aus dem TV, sondern aus Ansammlungen von maximal 140 Zeichen.

Twitter als Nachrichtenticker

Geschrieben werden diese Internet-Kurznachrichten von Studenten und direkt beteiligten Demonstranten vor Ort. Obwohl diese Nachrichten theoretisch auch über Handys ins Internet übertragen werden könnten, kann man davon ausgehen, dass das Handynetz in Iran momentan fast zusammengebrochen sein dürfte. Die überwiegende Zahl der Nachrichten kommt damit von ans Internet angeschlossenen Universitäts- oder Privatrechnern.

Lange bevor TV-Sender und die Online-Auftritte von etablierten Zeitungen reagieren und berichten konnten, verfolgten über diesen Weg Internet-Nutzer weltweit Kurznachrichten von Beteiligten aus dem Iran über den Online-Dienst Twitter. Zahlreiche Internetnutzer zwitscherten Neuigkeiten aus Teheran, wo sich gerade eine der mächtigsten und beeindruckendsten Demonstrationen der letzten Jahre gegen ein ungewolltes Regime stellt.

Iran ist 140 Bytes entfernt.

Erst nachdem über Twitter gerätselt wurde, wieso weder CNN noch irgendwelche anderen großen Nachrichtensender aktuelle Informationen aus Teheran verbreiten, sprangen die TV-Sender zögerlich auf den Informationszug auf – und stützten sich oft auf die 140 Zeichen kurzen Nachrichten von Twitter-Nutzern.

Das Zögern interpretiere ich nicht als Unwillen, sondern eher auf Grund Mangels an Informationsquellen über die Twitter-Acounts hinaus. Journalistisches Arbeiten beinhaltet immer noch mehr als das Aufgreifen von Privatnachrichten. Dadurch hinkte die TV-Berichterstattung immer leicht hinter den Twitter-Informationsfluss hinterher. – Und war auch nicht immer uneingeschränkt der Meinung der Demonstranten, dass die Iranische Wahl gefälscht sei.

Natürlich erwarten die Regimegegner, dass die noch amtierende Regierung in Teheran fleißig dabei ist, diesen Infofluss über das Internet zu bremsen. Server im Iran werden scheinbar heruntergefahren, um den Nutzern den Zugang zu versperren. Allerdings werden stündlich mehrmals aktuelle Listen mit funktionierenden Ersatzservern (Proxies) bekanntgegeben – alles aktuell über Twitter.

Der Gegenschlag der Protestierer – als Antwort auf die Internetsperren – war die Aufforderung, Regierungs-Internetseiten massenhaft zu besuchen, um sie so zu überlasten und damit unerreichbar zu machen. Dies gelang über weite Strecken erfolgreich. – Ist das der Krieg des Informationszeitalters?

Nachrichten in Neuen Medien

Für NetzSCHREIER sehr eindrucksvoll ist folgender Gedanke: Wir werden gerade Zeuge einer sich anbahnenden Revolution. Wir hielten in den letzten Jahren Iran wohl für eines der undemokratischsten Länder überhaupt. Und die vergangene Wahl schien uns in dieser Ansicht zu bestärken. Und gerade deshalb ist es so beeindruckend, dass gerade dieses Land uns vormacht, wie das Internet für eine demokratische Revolution zu nutzen ist.

Unzählige Internetnutzer verbreiteten über das vielgepriesene aber auch schon gescholtene Web 2.0 und Social-Web-Dienste in Windeseile die Nachricht über die aktuellen Gegebenheiten.

So positiv diese Entwicklung aber auch scheinen mag, dürfen wir eine Gefahr dieser Dienste nicht vergessen: Ebenso wie in den bisherigen Medienkanälen Falschinformationen bewusst gestreut werden konnten, ist auch Web 2.0 mit Twitter, Facebook  & Co. nicht gefeit davor. Eine Kurznachricht ist schnell weitergereicht und zigtausendfach vervielfacht. Damit heißt es: Verantwortungsvoll teilnehmen und mitmachen.

Dazu gehört auch, dass man die derzeitige Entwicklung und die Kurznachrichten mit Verstand aufnimmt. So wünschenswert ein demokratisches Iran auch sein mag: Die Demokratie in Iran darf nicht mit propagandistischen und undemokratischen Mitteln entstehen.

Politik in NetzSCHREIER?

Diese Geschichte habe ich in NetzSCHREIER aus aktuellem Anlass mitaufgenommen, weil ich denke, dass man an diesem Beispiel die Macht der Web-2.0-Dienste – als Teilbereich der Neuen Medien – erkennen kann.

Lasst uns in den kommenden Artikeln über Verantwortung, Möglichkeiten und Veränderungen in der Kommunikation mit Neuen Medien diskutieren! Im Bezug auf Internet-Marketing muss das Ziel sein, seriös und spamfrei die Neuen Kanäle zu nutzen. So sieht NetzSCHREIER jedenfalls die Zukunft der Web-2.0-Dienste.

Der Einfluss dieser Digitalwerkzeuge auf unsere Welt dürfte am Beispiel der Iran-Unruhen eindrucksvoll belegt worden sein.

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